Praxisintegrierte Qualifizierungsmaßnahme – Quereinstieg in die Jugendhilfe (A+ Ausbildung)

Praxisnah, fachlich fundiert und orientiert an realen Anforderungen psychosozialer Arbeitsfelder.

Die praxisintegrierte Qualifizierungsmaßnahme vermittelt die fachlichen, rechtlichen und persönlichen Kompetenzen für eine professionelle Tätigkeit in der (teil-)stationären Kinder- und Jugendhilfe. Sie verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit einer systemischen Haltung, praxisnahen Methoden und kontinuierlicher Selbstreflexion. Durch die enge Verzahnung von Theorie und Praxis werden die Teilnehmenden befähigt, Kinder, Jugendliche und Familien professionell, ressourcenorientiert und rechtssicher zu begleiten. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung einer tragfähigen pädagogischen Haltung sowie auf der Gestaltung gelingender Beziehungen als Grundlage erfolgreicher Hilfeprozesse. Die optionale Spezialisierung „Neue Autorität“ erweitert die Qualifizierung um ein modernes, beziehungsorientiertes Handlungskonzept für den professionellen Umgang mit Krisen und herausfordernden Verhaltensweisen.

Die 7 Module der Qualifizierung

7 Module · Gesamte 340 Unterrichtseinheiten (UE)

1

Arbeitsfeld Kinder- und Jugendhilfe – Systemisch im Hilfesystem handeln

40 UE

Geschichte und Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe

Entwicklung der Kinder- und Jugendhilfe von der Fürsorge hin zu einem modernen, rechtsbasierten Unterstützungssystem. Vermittlung des gesetzlichen und gesellschaftlichen Auftrags.

Strukturen und Leistungen nach dem SGB VIII

Überblick über die Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe sowie deren rechtliche Grundlagen. Einordnung der verschiedenen Hilfeformen und Zuständigkeiten.

Hilfen zur Erziehung und Eingliederungshilfe

Unterschiede, Zielgruppen und gesetzliche Grundlagen der einzelnen Leistungsbereiche. Verständnis für die Zusammenarbeit verschiedener Hilfesysteme.

Rollen und Verantwortlichkeiten im Hilfesystem

Aufgaben und Verantwortlichkeiten von Jugendämtern, freien Trägern und weiteren Akteuren. Reflexion der eigenen professionellen Rolle.

Systemisches Menschenbild

Einführung in systemisches Denken und die Annahme, dass Verhalten immer im Kontext von Beziehungen entsteht. Förderung einer wertschätzenden Grundhaltung.

Lebensweltorientierung

Pädagogisches Handeln orientiert sich an den individuellen Lebenswelten der jungen Menschen. Ressourcen und Lebensbedingungen werden aktiv einbezogen.

Ressourcenorientierung

Fokus auf Fähigkeiten, Potenziale und Entwicklungsmöglichkeiten statt auf Defizite. Ressourcen werden gezielt erkannt und gestärkt.

Auftragsklärung

Klärung von Erwartungen, Rollen und Zielen zu Beginn pädagogischer Prozesse. Transparenz schafft Sicherheit für alle Beteiligten.

Kontext- und Netzwerkorientierung

Verhalten wird im Zusammenhang mit Familie, Schule und sozialem Umfeld betrachtet. Netzwerke werden aktiv in Hilfeprozesse einbezogen.

Zusammenarbeit mit Jugendämtern, Schulen, Familien und Kooperationspartnern

Grundlagen gelingender interdisziplinärer Zusammenarbeit. Gemeinsames Handeln dient einer abgestimmten Hilfeplanung.

Professionelle Haltung und Selbstverständnis

Entwicklung einer reflektierten beruflichen Identität. Haltung wird als wesentliche Grundlage professionellen Handelns verstanden.

2

Recht – Rechtssicher und verantwortungsvoll handeln

45 UE

Grundlagen des SGB VIII

Einführung in Aufbau und Zielsetzung des Kinder- und Jugendhilferechts. Verständnis der wichtigsten Leistungsansprüche.

Relevante Vorschriften des BGB

Familienrechtliche Grundlagen für die pädagogische Praxis. Bedeutung elterlicher Sorge und familiengerichtlicher Entscheidungen.

Kinder- und Jugendschutz

Rechtliche Grundlagen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Verantwortlichkeiten aller Beteiligten werden verdeutlicht.

Schutzauftrag nach § 8a SGB VIII

Erkennen und Einschätzen von Kindeswohlgefährdungen. Handlungssicherheit im Verfahren bei Verdachtsfällen.

Inobhutnahme (§ 42 SGB VIII)

Voraussetzungen und Ablauf einer Inobhutnahme. Rolle freier Träger im Schutzprozess.

Datenschutz und Schweigepflicht

Sensibler Umgang mit personenbezogenen Daten. Rechtliche Anforderungen an Informationsweitergabe und Dokumentation.

Dokumentationspflichten

Fachgerechte und rechtssichere Dokumentation pädagogischer Prozesse. Dokumentation dient Qualität, Transparenz und Nachvollziehbarkeit.

Aufsichtspflicht

Umfang und Grenzen der Aufsichtspflicht im pädagogischen Alltag. Risikoeinschätzung und verantwortungsbewusstes Handeln stehen im Mittelpunkt.

Garantenstellung

Pädagogische Fachkräfte tragen eine besondere Schutzverantwortung. Rechtliche Konsequenzen bei Pflichtverletzungen werden erläutert.

Freiheitsentziehende Maßnahmen

Rechtliche Voraussetzungen und Grenzen freiheitsbeschränkender Eingriffe. Kindeswohl und Verhältnismäßigkeit stehen im Vordergrund.

Beteiligungsrechte junger Menschen

Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf Mitbestimmung. Beteiligung stärkt Selbstwirksamkeit und demokratisches Lernen.

Rechtliche Verantwortung im Spannungsfeld von Hilfe und Schutz

Pädagogische Entscheidungen bewegen sich häufig zwischen Unterstützung und Gefahrenabwehr. Rechtliche Grundlagen bieten Orientierung.

3

Entwicklung, Psychologie und Pädagogik – Menschen verstehen statt Verhalten bewerten

65 UE

Entwicklungspsychologie

Grundlagen der körperlichen, emotionalen und sozialen Entwicklung. Entwicklungsaufgaben werden altersgerecht eingeordnet.

Bindungstheorie

Bedeutung sicherer Bindungen für die Entwicklung. Auswirkungen belasteter Bindungserfahrungen werden verständlich gemacht.

Traumapädagogik

Grundlagen psychischer Traumatisierung und traumasensiblen Handelns. Sicherheit und Stabilisierung stehen im Mittelpunkt.

Neurobiologische Grundlagen

Einführung in die Funktionsweise des Gehirns unter Stress und Belastung. Verständnis biologischer Zusammenhänge fördert angemessenes Handeln.

Resilienz

Schutzfaktoren und Widerstandskraft werden analysiert. Pädagogische Maßnahmen stärken langfristige Entwicklung.

Entwicklungsaufgaben

Typische Herausforderungen verschiedener Altersstufen werden vermittelt. Pädagogik orientiert sich an individuellen Entwicklungsprozessen.

ADHS, Autismus, FASD

Grundlagen neuroentwicklungsbedingter Besonderheiten. Verständnis ermöglicht passgenaue pädagogische Unterstützung.

Depressionen, Angststörungen, selbstverletzendes Verhalten und Sucht

Häufige psychische Belastungen werden vorgestellt. Warnsignale werden erkannt und angemessen eingeordnet.

Systemische Hypothesenbildung

Verhalten wird als Ausdruck komplexer Wechselwirkungen verstanden. Hypothesen ersetzen vorschnelle Bewertungen.

Zirkularität und Reframing

Neue Sichtweisen eröffnen alternative Handlungsmöglichkeiten. Perspektivwechsel fördern Verständnis und Kooperation.

Ressourcenanalyse und Lösungsorientierung

Entwicklungspotenziale werden systematisch erfasst. Lösungen entstehen aus vorhandenen Stärken.

4

Professionelles pädagogisches Handeln – Beziehung als wichtigste Intervention

70 UE

Beziehungsgestaltung

Eine tragfähige Beziehung bildet die Grundlage erfolgreicher Pädagogik. Verlässlichkeit und Präsenz fördern Vertrauen.

Systemische Gesprächsführung

Gespräche orientieren sich an Ressourcen und Möglichkeiten. Fragetechniken unterstützen eigenständige Lösungsfindung.

Zirkuläre und Skalierungsfragen

Unterschiedliche Perspektiven werden sichtbar gemacht. Veränderungen werden messbar und nachvollziehbar.

Motivierende Gesprächsführung

Veränderungsbereitschaft wird respektvoll gefördert. Eigenverantwortung steht im Mittelpunkt.

Krisenintervention und Deeskalation

Handlungsstrategien für akute Belastungssituationen werden vermittelt. Sicherheit und Beziehung bleiben auch in Krisen erhalten.

Gruppenpädagogik

Gruppenprozesse werden verstanden und konstruktiv gestaltet. Gemeinschaft dient als Lern- und Entwicklungsraum.

Eltern- und Familienarbeit

Familien werden als wichtige Partner verstanden. Zusammenarbeit stärkt nachhaltige Entwicklungsprozesse.

Hilfeplanung

Ziele werden gemeinsam entwickelt und regelmäßig überprüft. Hilfeplanung erfolgt transparent und partizipativ.

Netzwerkarbeit

Unterschiedliche Hilfesysteme werden sinnvoll miteinander verbunden. Kooperation verbessert die Qualität der Unterstützung.

Partizipation

Junge Menschen gestalten ihren Hilfeprozess aktiv mit. Beteiligung stärkt Verantwortung und Selbstwirksamkeit.

Verselbständigung und Freizeitpädagogik

Alltagskompetenzen und gesellschaftliche Teilhabe werden gezielt gefördert. Freizeit wird als pädagogischer Erfahrungsraum genutzt.

Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team

Unterschiedliche Professionen ergänzen sich gegenseitig. Gemeinsame Verantwortung erhöht die Qualität pädagogischen Handelns.

5

Schutzauftrag – Sicherheit, Präsenz und Verantwortung

40 UE

Kindeswohlgefährdung und Risikoanalyse

Gefährdungssituationen werden systematisch erkannt und bewertet. Entscheidungen orientieren sich am Schutz des Kindes.

Schutzkonzepte

Institutionelle Schutzmaßnahmen werden entwickelt und umgesetzt. Prävention ist Aufgabe der gesamten Organisation.

Prävention und Beschwerdeverfahren

Beteiligungs- und Beschwerdestrukturen stärken den Schutz junger Menschen. Transparenz schafft Vertrauen.

Krisenmanagement

Professionelles Handeln in außergewöhnlichen Situationen wird trainiert. Klare Abläufe erhöhen Handlungssicherheit.

Gewaltprävention und sexualisierte Gewalt

Formen von Gewalt werden erkannt und verhindert. Sensibilität und klare Interventionswege stehen im Mittelpunkt.

Traumasensibler Kinderschutz

Schutzmaßnahmen berücksichtigen traumatische Erfahrungen der Betroffenen. Stabilisierung erfolgt ohne zusätzliche Belastung.

Netzwerkorientierte Interventionen

Kinderschutz gelingt nur gemeinsam mit allen relevanten Beteiligten. Kooperation verbessert die Wirksamkeit von Maßnahmen.

Dokumentation im Kinderschutz

Beobachtungen und Entscheidungen werden nachvollziehbar festgehalten. Dokumentation dient dem Schutz und der Qualitätssicherung.

6

Professionalisierung und Selbstreflexion – Die eigene Persönlichkeit als wichtigstes Instrument

40 UE

Professionelle Identität

Entwicklung eines reflektierten beruflichen Selbstverständnisses. Eigene Werte und Grenzen werden bewusst wahrgenommen.

Selbstreflexion

Das eigene Handeln wird regelmäßig überprüft. Reflexion fördert professionelles Wachstum.

Nähe und Distanz

Beziehungen werden empathisch und gleichzeitig professionell gestaltet. Grenzverletzungen werden vermieden.

Teamarbeit und kollegiale Fallberatung

Komplexe Situationen werden gemeinsam analysiert. Unterschiedliche Perspektiven erweitern Handlungsmöglichkeiten.

Reflecting Team, Intervision und Supervision

Strukturierte Reflexionsmethoden unterstützen die berufliche Entwicklung. Schwierige Fälle werden professionell begleitet.

Selbstfürsorge, Resilienz und Burnoutprävention

Eigene Gesundheit wird als Voraussetzung professionellen Handelns verstanden. Belastungen werden frühzeitig erkannt und bearbeitet.

Fehlerkultur und Berufsethik

Fehler werden als Lernchancen genutzt. Ethische Grundsätze leiten professionelles Handeln.

Qualitätsentwicklung

Kontinuierliche Verbesserung sichert die Qualität pädagogischer Arbeit. Reflexion und Evaluation gehören zum Berufsalltag.

7

Spezialisierung – Neue Autorität in der Kinder- und Jugendhilfe

40 UE

Grundlagen der Neuen Autorität

Die Teilnehmenden lernen die theoretischen Grundlagen nach Haim Omer kennen. Haltung und Beziehung stehen vor Kontrolle und Sanktion.

Haltung statt Machtausübung

Autorität entsteht durch Präsenz, Verlässlichkeit und Verantwortungsübernahme. Pädagogisches Handeln verzichtet auf Machtdemonstrationen.

Präsenz und wachsame Sorge

Erwachsene zeigen eine klare, fürsorgliche und verlässliche Präsenz. Aufmerksamkeit und Beziehung ersetzen Kontrolle.

Beharrlichkeit und Selbstkontrolle

Professionelles Handeln bleibt konsequent und ruhig, auch in belastenden Situationen. Die eigene Selbststeuerung wird zur wichtigsten Ressource.

Transparenz und Ankündigungen

Entscheidungen und Erwartungen werden offen kommuniziert. Transparenz schafft Sicherheit und reduziert Eskalationen.

Deeskalation nach Haim Omer

Konflikte werden frühzeitig erkannt und gezielt entschärft. Eskalationsfördernde Reaktionen werden vermieden.

Eskalationsdynamiken erkennen und unterbrechen

Typische Konfliktverläufe werden analysiert. Die Teilnehmenden entwickeln alternative Handlungsstrategien.

Unterstützersysteme und Netzwerkarbeit

Pädagogische Verantwortung wird auf mehrere Schultern verteilt. Unterstützende Netzwerke stärken die Wirksamkeit des Handelns.

Elternarbeit nach den Prinzipien der Neuen Autorität

Eltern werden als wichtige Partner einbezogen und gestärkt. Kooperation ersetzt Schuldzuweisungen.

Wiedergutmachung statt Bestrafung

Nach Konflikten stehen Verantwortung und Beziehungserhalt im Vordergrund. Wiedergutmachung fördert nachhaltiges Lernen.

Umgang mit Gewalt, Krisen und Schulabsentismus

Die Prinzipien der Neuen Autorität werden auf komplexe Praxissituationen übertragen. Handlungssicherheit wird anhand realer Fallbeispiele entwickelt.

Neue Autorität in intensivpädagogischen Settings

Das Konzept wird auf hochbelastete Betreuungssettings angewendet. Präsenz, Netzwerk und Beziehung bilden die Grundlage erfolgreicher Interventionen.

Fallarbeit und Praxistransfer

Eigene Fälle werden systematisch analysiert und reflektiert. Der Transfer in den Berufsalltag steht im Mittelpunkt.

Entwicklung eigener Interventionskonzepte

Die Teilnehmenden entwickeln individuelle Handlungskonzepte für ihre Praxis. Theorie und Erfahrung werden zu einem professionellen Vorgehen verbunden.

Rahmenbedingungen

Ort

Düren, Glashüttenstraße 4

Beitrag

1.500 €

Format

Praxisintegriert im Blended-Learning-Format (Präsenzanteil mind. 40 %)

Umfang

Mindestens 300 UE à 45 Minuten

Dauer

Bis zu 18 Monate

Aufnahme- und Abschlusskriterien

Abschluss: Der Abschluss der Qualifizierungsmaßnahme wird mit einem Dokument (z. B. Zertifikat) des Bildungsträgers bescheinigt.

Zugelassene Berufsgruppen

Betreuungskräfte
Lehrer:innen
Ergotherapeut:innen, Logopäd:innen, Physiotherapeut:innen
Arbeitspädagog:innen / -erzieher:innen
Hebammen
Gesundheitspfleger:innen (u. a. Pflegefachkräfte, Kinderkrankenpfleger:innen)
Kinderpfleger:innen
Heilerziehungspflege- / -helfer:innen
Familienpfleger:innen
Sozialassistent:innen
Kulturpädagog:innen (u. a. Kunst-, Theater- und Musikpädagog:innen)
BA Bildungswissenschaften
Religionspädagog:innen

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